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22.10.2001

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Feari Drachentänzers Barbarenpage

Die Gedanken des Naran-Yian

 

Spieltag vom 08.08.2001

 

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„Wer andere erkennt, ist gelehrt.

Wer sich selbst erkennt, ist weise.

Wer andere besiegt, hat Muskelkräfte.

Wer sich selbst besiegt, ist stark.

Wer zufrieden ist, ist reich.“

(Lao Tse)

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D as Blut der Wölfe befleckte das jungfräuliche Weiß des Schnees, als wir unseren Weg über den Pass fortsetzten. Außer mir, scheint nur Raibun in der Lage zu sein einen Angriff gegen unsere Reisegruppe abzuwehren. Aber dafür wird er ja auch entlohnt. Uchijini, dieser Sohei, wirbelt zwar mit seinem Naganaki herum, trifft allerdings nur die Luft und nicht die Gegner. Vielleicht sollte er sich lieber auf sein betteln konzentrieren, dass kann er wirklich recht gut, wie ich festgestellt habe. Überhaupt, ich muß ein Auge auf ihn haben, schließlich ist er an der selben Botschaft interessiert, die ich zu meinem Tempel bringen muß. Der Rest der Gruppe ist nur Ballast. Besonders diesen Imagawa scheint schon der kleinste Windstoß umzuhauen, geschweige denn ein ernsthafter Gegner. Ein Adliger ohne Gefolge, dass sind mir die Richtigen. Wahrscheinlich irgend so ein Bastard, der von seiner Familie verstoßen wurde und sich nun irgendwie profilieren will. Nun ja, die Zeit wird zeigen, wer sich in meiner Gesellschaft befindet. Kuruhikou wacht über mich und ich werde mich an die weisen Worte meines Lehrers Lao Tse halten: „Fordere viel von Dir selber und wenig von anderen. Das erspart Dir eine Menge Ärger“.

Am nächsten Tag erreichen wir die höchste Stelle des Passes. Unglücklicherweise hat eine Lawine den Weg verschüttet. Mit Kletterhaken, die in die Felswand geschlagen werden, und Seilen bahnen wir uns einen Weg über die Schneemassen. Ich komme nur schlecht voran, die Rüstung stört. Verdammt, das kostet etwas Zeit. Endlich sind alle über dieses Hindernis hinweg und der Pass liegt wieder vor uns. Die Reise geht weiter.

Kaum sind wir eine Weile marschiert, als wiederum etwas auf dem Weg liegt. Beim Näherkommen stellen wir fest, das es sich um die Leichen dreier Männer aus dem Gefolge Mori Yasutakas handelt. Die Gruppe scheint es mit einem Erdkala zu tun bekommen zu haben, dessen Überreste nicht weit entfernt ein kaltes Grab gefunden haben. Die Überlebenden sind hastig weiter marschiert, und sie haben einen oder mehrere Verletzte bei sich, was eine eindeutige Blutspur verrät, die sich durch den Schnee zieht. Wie hungrige Wölfe heften wir uns an ihre Fersen und verfolgen die Spur.

Es dauert nicht lange, als wir eine Stelle erreichen, an der sich die Spur teilt. Der Verletzte hat sich anscheinend einen Hang hochgeschleppt, während der Rest ohne ihn den Weg fortgesetzt hat. Das will ich genauer erkunden. In Begleitung von Raibun klettere ich den Hang hinauf, während es die anderen vorziehen, lieber auf dem Weg zurückzubleiben. Bewacht von Uchijini – amüsant. Wir folgen der Spur bis an eine Berghöhle. Von innen ist ein seltsames Gemurmel zu hören. Als auf unser Rufen niemand antwortet, dringen wir in die Höhle ein und finden den Verletzten. Zu meiner Überraschung handelt es sich um den Gesou, der im Besitz der Botschaft sein soll, die ich so dringend benötige. Ohne zu zögern durchsuche ich ihn, allerdings ohne Erfolg. Die Botschaft hat den Besitzer gewechselt. Verflucht, ich wähnte mich schon so nahe am Ziel. Der Gesou ist schwer verletzt und murmelt nur noch wirres Zeug. Von ihm erfahre ich nichts mehr. Was der Kala versäumt hat, erledigt nun mein Schwert. Zurück auf dem Pass erstatte ich kurz Bericht. Außer Uchijini, der natürlich sofort hellhörig wird, scheint es keinen zu interessieren – scheint. Ich bin mir nicht sicher was ich von Seishin und dieser Geisha Mahima halten soll. Sie sehen etwas zu uninteressiert aus.

Wie der Schnee im Frühling schmilzt, so schmilzt der Vorsprung der Verfolgten. Angespornt durch diese Tatsache, erhöhen wir unser Reisetempo und legen nur noch hin und wieder eine Rast ein – nur wenn unsere körperliche Verfassung ein weitergehen unmöglich macht. Ohne weitere Zwischenfälle, hab Dank Kuruhikou, erreichen wir gegen Abend des zweiten Tages das Dorf am Ende des Passes. Sofort suchen wir die örtliche Herberge auf um uns aufzuwärmen und einen Happen zu essen. Wir erfahren vom Wirt, dass die Gesuchten ebenfalls hier einkehrten und erst vor kurzem weitergezogen sind. Ich spüre, ich bin kurz dem Ziel.

Nach ein paar Stunden, mehr Rast gönnen wir uns nicht, brechen wir noch in der Nacht auf, denn die Spur von Mori Yasutaka ist noch frisch. Unser Führer, ich habe seinen Namen vergessen, bleibt in der Herberge zurück. Sein Auftrag ist erledigt. Raibun wird unsere Gruppe weiterhin begleiten. Er zögerte etwas, aber nachdem ich ihm angedeutet habe, dass er wahrscheinlich mehr Gewinn in unserer Gruppe machen würde als in diesem verschneiten Kaff scheint er seine Meinung geändert zu haben. Nun ja, nicht das ich ihn unbedingt brauchen würde, aber seine Schwerter scheinen mir durchaus nützlich. Vielleicht kann ich ihn überzeugen den richtigen Pfad einzuschlagen – Deinen natürlich, O großer Kuruhikou.

Der Himmel ist sternenklar als wir weiterziehen. Unterwegs befragen wir Passanten nach den Verfolgten und schließlich gibt uns ein Bauer einen Hinweis auf eine Herberge an der Straße, die Reisende oft zum Verweilen und Kräfte sammeln nutzen. Bei Morgendämmerung erreichen wir diesen Ort.

O großer Kuruhikou, weise hast Du meine Schritte geleitet. Ich bin erfreut zu hören, als der Wirt uns kundtut, daß Mori Yasutaka und sein Gefolge erschöpft beim ihm Unterschlupf gefunden haben und sie immer noch in ihren Zimmern ruhen sollen. Ich bestelle mir einen Sake und setze mich in den Schankraum – wartend in der Gewissheit auf das unvermeidliche Ende meines Auftrags. Die Geisha Mahima verschwindet in der oberen Etage und bevor ich mir nähere Gedanken darüber machen kann, wird Uchijini auf einmal aufdringlich. Er erinnert mich an den Gesou in der Berghöhle, denn er faselt ebenso wirres Zeug. Es geht um die Botschaft, und anscheinend will er mit mir nach draußen gehen um zu klären wer sie in Besitz nehmen darf. Hmmm, er sollte mich nicht in Versuchung führen, meine Schwerter haben noch kein Shinjutai Sohei Blut gekostet und haben allzeit Durst. Ich hätte zwar in einer Runde klargestellt, wer die Botschaft bekommt, aber ich muß meine Aufmerksamkeit wichtigeren Dingen widmen. Also helfe ich der Intelligenz dieses Bettelmönches etwas auf die Sprünge und erinnere ihn daran, daß die Botschaft einen Inhalt hat, den man kopieren kann. Daran wäre ich interessiert, die Botschaft selber kann er behalten. Wir haben uns gerade darauf geeinigt, als die Geisha Mahima wieder in Erscheinung tritt. In einer Art und Weise, die mir gar nicht gefällt, denn sie gibt Alarm, daß die Gesuchten entflohen sind. Wie Diebe in der Nacht, haben sie sich aus einem Fenster abgeseilt, dieses Lumpenpack.

Im Laufschritt wird die Verfolgung aufgenommen. Es geht über Wiesen und Felder und bald kann man am Horizont die Konturen der Gesuchten ausmachen. Wir rücken näher, Schritt für Schritt. Schließlich ist es soweit – an einer Brücke über einen eisigen Gebirgsbach stellen wir Mori Yasutaka und seine vier Begleiter. Sie haben sich am anderen Ufer aufgebaut und versperren den Weg – eine Konfrontation scheint unvermeidlich. Uchijini fordert lautstark die Herausgabe der Botschaft, doch Yasutaka weigert sich. Er gibt einen Umschlag an einen seiner Begleiter, der sich anschicken will, zu fliehen. Doch bevor er auch nur ein paar Schritt gekommen ist, wird er von Raibun mit einem Pfeil niedergestreckt. Yasutaka und seine verbliebene Anhänger rücken nun über die Brücke vor. Dabei findet einer durch meinen „Elemental Burst“ bereits sein frühes Ende. Den zweiten stelle ich, als er gerade das Ufer erreicht. In wenigen Sekunden vermischt sich das Wasser des Baches mit seinem Blut und Kuruhikou empfängt eine weitere Seele. Mit dem dritten habe ich noch leichteres Spiel, da er mir seinen Rücken zuwendet. Meine Schwerter hinterlassen ein untrügliches Muster in seinem Fleisch. Yasutaka ist der einzige der noch steht und sich wie ein würdiger Krieger der Übermacht seiner Feinde stellt, denn inzwischen haben sich meine verehrten Reisebegleiter alle um ihn versammelt, um ihn zu Boden zu schicken. Raibun gelingt es schließlich wozu die anderen nicht fähig sind, bevor ich zum Zuge komme. Mori Yasutaka ist nun bei seinen Clan-Vorfahren. Was wären diese Schwächlinge nur ohne mich und Raibun. Die Zeit, in der ich mich kurz diesem Gedanken hingebe, nutzt Uchijini um über die Brücke zu Yasutakas Anhänger mit der Botschaft zu gelangen. Ich folge auf dem Fuße, Imagawa trottet ebenfalls hinterher. Uchijini ist zuerst an dem Gefallenen und ich bekomme mit, wie er sich den Umschlag einsteckt. Bevor ich zu Wort komme, vernehme ich erstaunt, daß Imagawa Einsicht in die Botschaft verlangt. Uchijini weigert sich, da die Nachricht versiegelt ist. Stattdessen will er sie zu seinem Abt bringen, damit sie dort geöffnet wird. Es juckt mir verdammt in den Fingern, und das Verlangen diesen Sohei blanken Stahl spüren zu lassen ist groß, aber etwas hält mich zurück. Nur Du mit Deiner allmächtigen Weisheit kannst es sein, O großer Kuruhikou. Ja, die Zeit von Uchijini ist –noch- nicht gekommen. Nun gut, das Kloster des Sohei liegt auf dem Weg zu meinem Tempel. Ich werde ihn begleiten und auf diesem kurzen Stück des Weges sein zweiter Schatten werden, der selbst bei Dunkelheit nicht von ihm weicht. Sollte er sich an der Botschaft vergreifen, hat er sein Leben verwirkt und kann seinem Gott eher Rechenschaft ablegen als er wohl dachte. Imagawa erklärt sich ebenfalls bereit, aber darauf lege ich sowieso keinen Wert. Zurück beim Leichnam von Yasutaka stelle ich fest, daß dieser seinen Kopf verloren hat. Die Geisha Mahima hat ihn in Besitz genommen. Dabei tönte sie vorher noch großartig herum, daß sie den Adligen lebendig haben wollte. Auf ihr Geschwafel werde ich in Zukunft auch keinen großen Wert mehr legen.

Was jenseits der Brücke über den eisigen Gebirgsbach liegt ist nicht mehr von Interesse, und ich weiß nicht ob ich es jemals erfahren werde. Das Bächlein wird die Geschichte von Mori Yasutaka in den nächsten Fluß tragen und von dort in den Ozean, in dem schon viele Geschichten ihr Ende gefunden haben. Gegen Abend sind wir wieder im Dorf jenseits des Passes. Unseren alten Führer finden wir auch wieder und heuern ihn erneut an uns über den Berg zu bringen, denn von jetzt ab sind wir auf dem Rückweg Richtung Kyoto. Am nächsten Morgen soll die Reise beginnen ..........

 

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„Fürchte Dich nicht vor dem langsamen Vorankommen.

Fürchte Dich vor dem Stehenbleiben.

Der Weg zum Erfolg hat keine Abkürzung.“

(Tanaka Masahiko)

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Naran-Yian